Dunkelgeist

Werke: Freitod


Kleine Geschichte mit fragwürdiger Botschaft. Bitte: Hier gilt das epische Ich! Nichts von dieser Geschichte ist auf mich übertragbar. Diese Geschichte ist einzig und allein ein verbales Austoben von bizarren Ideen und ein wenig Lust zu schockieren. Betrachtet mich als den Schauspieler, nicht als die Figur dahinter.

Freitod

Abschaum ...
Teufel ...
Mörder ...

Ihr habt ja so verdammt Recht mit dem, was ihr mir hinterher geschrien habt. Ihr habt so Recht mit eurem naiven Denken. Ich gefährde eure kleine bunte Welt. Man soll nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt, doch genau das habe ich getan. Ich hab einen Brand in eurem Heim gelegt.

Ich fand, es brannte wunderschön, aber ihr wisst derartige Schönheit ja nicht zu schätzen.

Ihr wisst überhaupt gar nichts! Ihr habt ein so riesiges Gehirn und keine einzige eurer Nervenzellen spinnt auch nur einen vernünftigen Gedanken. Ihr vegetiert wie Algen in einem Glas. Ihr vermehrt euch, ihr wuchert alles zu und in kürzester Zeit, habt ihr alles CO2 und alle Nährstoffe im Glas aufgebraucht und man kann zusehen, wie ihr als braune, schleimige Masse langsam verwest.
Aber keine Sorge. Ich werde euch nicht länger die Luft weg atmen oder euren Lebensraum wegnehmen. Ich habe erreicht, was ich wollte.

Er sah mir starr in die Augen, als er geschrien hat. Er hat meine Hände umklammert und über beide ergoss sich das Blut. Es hat mir die ganzen Kleider durchnässt. Ich spürte, wie meine Strümpfe nass und warm wurden.
Und dann ist er zitternd und zuckend umgefallen. Ich konnte meinen zweiten Schnitt gar nicht vollenden.
Und sein Hals war so glitschig ...
Ich konnte ihm das Rückgrat nicht mehr durchtrennen. Durch das viele Blut rutschten meine Hände ab, ich konnte ihn nicht fest halten und ich sah nicht mehr, wo ich überhaupt hätte schneiden müssen.
Und dann, keine Minute später, war er ohnehin verblutet und tot. Meine Kleider wurden ganz steif, als sein Blut gerann, schneller, als ich es mir erträumt hätte.

Sauerei!

Erst besudelt der Kerl mich einfach und dann versaut er mir auch noch die Tour. Dabei wollte ich ihm schnellst möglich den Kopf abtrennen ...
Ich habe schon oft gelesen, dass das Blut aus der Halsschlagader meterhoch spritzt, wenn einem der Kopf abgetrennt wird. Aber ich hab es ja nicht mehr geschafft. Ein Schnitt quer durch die Kehle und das Blut schoss heraus, als hätte man in einen prall gefüllten Luftballon gestochen.

Abschaum ...
Teufel ...
Mörder ...
Abschaum ...

Ihr habt ja so Recht...
Ich bin Abschaum, denn ich bringe nichts zu Stande, schaffe nichts, was ich mir vornehme...
Da finde ich endlich den Mut einen Mord zu begehen und dann versaue ich wieder alles! ...
Aber so ist das eben. Das Leben ist ein unfairer Spieler, der es liebt, dir alles abzuknöpfen und dich aber immer wieder geschickt dazu bringt, dich auf eine neue Partie gegen seine gezinkten Karten einzulassen, um dich dann nur ein weiteres Mal zu demütigen.

Was für ein sadistisches Arschloch das Leben doch ist ...

Immerhin habe ich es versucht und ich muss mich eben mit dem zufrieden geben, was ich erreicht habe. Tot ist er, so oder so.
Und gefallen hat es mir trotzdem! Ich hätte mich wälzen können in seinem Blut! Nie im Leben habe ich mich so stark, so vom Gefühl des Triumphes überwältigt gefühlt.

Da! Gott, ich habe dein kostbarstes Werk geschändet! Deine ach so tolle „Krone der Schöpfung“. Ich hab' gegen all deine Gesetze verstoßen und hab' einen deiner Menschen getötet! Nicht nur du allein kannst Leben richten. Und nicht nur du allein richtest willkürlich und wahllos!
Ich bin wie du ...!

Es ist so leicht ein wenig Gott zu spielen ... Es ist so leicht ein Leben auszulöschen ...

Menschen sind ja so verwundbar. Meine Klinge war noch nicht mal besonders scharf ... Aber sie schnitt durch sein Fleisch als wäre es Butter!
Das war wirklich erstaunlich. ... Faszinierend.

Ich weiß, dass die Klinge nicht scharf war ...
Seht meine Arme an! Ich habe es selbst ausprobiert! Aufgeschlitzt hab' ich sie mir mit dem Scheißding! ... Es kostete Kraft. Ich hatte ja direkt einen Krampf in der Hand so viel Kraft kostete es, wirklich tief genug zu schneiden. Aber immerhin hab' ich es bis zum Knochen geschafft. Geblutet hat es auch sehr stark. Es blutet immer noch.
Aber mir ist es gleich. Ich empfinde keinen Schmerz.

Ich hab' Wichtigeres zu tun.

Ich zerre am Seil, um seine Befestigung zu prüfen. Ich hatte ein wenig Bedenken, der Hacken an der Decke könnte herausgerissen werden, deshalb habe ich das Seil jetzt lieber an einem der Eisenbalken am Garagentor befestigt. Wenn das Tor offen ist, ist der ganz stabil direkt unter der Decke und es kann bestimmt nicht abreißen. Ich hoffe nur, ich hab' genug Beinfreiheit ...
Eigentlich spielt es mittlerweile für mich auch keine große Rolle mehr, ob es reibungslos funktioniert, wo doch schon so vieles schief gelaufen ist. Aber ich will ja jetzt auch nicht als notorischer Pessimist enden. Wenn mir dieses Leben eines verdeutlicht hat, dann, dass irgendwann ein Punkt erreicht ist, ab dem es nicht mehr schlimmer und chaotischer kommen kann, an dem sich ein Gleichgewicht zwischen Unglück und Glück einstellt, zwischen Verzweiflung und Rausch des Lebens. Egal wie tief du sinkst, es gibt einen Punkt, an dem geht es nur noch theoretisch tiefer, aber für dich selbst ist es der Nullpunkt, den du nicht mehr toppen kannst. Außer du entscheidest dich für einen Neustart und drückst die Reset-Taste, was Meinertreu auch vorhat.

Nicht, weil ich nicht zufrieden gewesen wäre mit dem, was vorher war.

Doch ich habe einfach keine Lust mehr weiter das Böse im Bösen zu sein, die Dunkelheit in einem Abgrund. Um es mal in eine für euch verständlichere Sprache zu übersetzen: Ihr werdet auch ohne mein Zutun schnell genug untergehen, was soll ich mir also noch groß Arbeit machen? Es wird sicher andere geben, die meinen Platz einnehmen und sich den Arsch aufreißen um euch auszurotten.

Abschaum ...
Mörder ...

Ihr mich auch! Jetzt könnt ihr euch jemand anderen suchen, dem ihr das nachspucken könnt!
Ich atme euch keine Luft mehr weg in eurem Goldfischglas! Aber ich werde auch nicht armselig dahinsiechen, wie ihr. Ich verliere gar nichts! Ich werde euch noch beim sterben zu sehen, wenn ihr mich längst vergessen habt! Nennt es Feigheit oder Angst vor Verantwortung – ich nenne es „ausgewählte Raffinesse“. Warum kompliziert, wenn es einfache, risikolose Abkürzungen gibt? Und für die gläubigen Christen unter euch, die meinen, auf „feigen Selbstmord“, wie ihr es schimpft, stehe die Ewigkeit in der Hölle zur Strafe, kann ich nur sagen: Besser durch Freitod in einer Hölle, die als solche existent ist, als existent in einem Paradies, das ihr zu einer Hölle gemacht habt! Jemand, der freiwillig den Untergang sich erwählt, wird mit stolz geschwellter Brust dem Tod ins Auge sehen. Und lachen! Das möchte ich euch hinterlassen, solle mir niemand nachsagen können, meine Existenz hätte nicht auch Sinn und Nutzen für euch gehabt.

Abschaum ...
Teufel ...
Mörder ...
Abschaum ...

... und euch ein schönes weiteres Sterben!
Denkt an mich! Denkt an mich in eurem Glas! Gedenkt meiner in eurem Gefängnis kristallinen Verderbens! Ihr seid wertlos. Ihr seid des Todes. Ihr seid mein Amusement in Abyss.
Und erinnert euch an das Zeichen in seinem Fleisch! ... Das Böse stirbt niemals!

...

© by Dusky DaVica

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